ERKRANKUNGEN, DIE BEIM AUSTRALIAN SHEPHERD VORKOMMEN KÖNNEN

Der Australian Shepherd ist eigentlich ein gesunder Hund. Das "eigentlich" wird hierbei besonders betont, denn seitdem auch der Australian Shepherd zu einem Modehund geworden ist, sind immer mehr Menschen der Meinung, ihre Hunde verpaaren zu müssen. Es kommt nicht mehr darauf an ob der Hund gesund ist, sondern wie er vom Erscheinungsbild ist um eine Verkaufsquote zu erzielen. Seitdem kommt es immer häufiger zu Erkrankungen beim Australian Shepherd. Denn es fehlt einfach das Wissen und vor allem das Interesse am züchterischen Aspekt und der Vererbungslehre des Australian Shepherds.

Ganz besonders im Vordergrund steht hierbei die Verpaarung von Merle-Hunden. Merle-Farben sind generell ein Gendefekt beim Hund und es kann bei der Verpaarung zu Blindheit, Taubheit, sowie Epilepsie und sonstige Erkrankungen führen.

 

Im einzelnen möchte ich Ihnen die Krankheiten vorstellen und kurz beschreiben, die beim Australian Shepherd vorkommen können. Die möglichen Erkrankungen in kurzer Beschreibung finden Sie weiter unten.

Erkrankungen die beim Australian Shepherd vorkommen können:

  • MDR1 - multiple Medikamentenüberempfindlichkeit
  • HD - Hüftgelenksdysplasie
  • ED - Ellenbogengelenksdysplasie
  • PHA - Pelger Huet Anomalie
  • DM - Degenerative Myelopathie
  • Epilepsie

Es können folgende Augenerkrankungen auftreten:

  • CEA - Collie Eye Anomalie
  • HSF4 - grauer Star
  • PRA - Progressive Retina Atrophie
  • Iriskolobom - Spaltung der Iris

  • MDR1 -Multi Drug Resistance

Der MDR1-Gendefekt kommt bei bestimmten Hunderassen vor, welche eine Medikamentenüberempfindlichkeit gegenüber bestimmten Arzneimitteln verursacht.

Die Abkürzung MDR steht hierbei für Multiple Drug Resistance, was bedeutet, dass der Hund im Gegensatz zu einem gesunden Hund nicht die Möglichkeit hat das

Multidrug-Resistance-Protein1 zu bilden, welches dafür sorgt, das körperfremde Stoffe wie Arzneimittel aus dem Körper heraus zu transportieren. Der MDR-Transponder sorgt außerdem dafür, dass toxische Arzneistoffe die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden können und in den Gehirnkapillaren zurückgehalten werden.

Ein Fremdstoff, welcher im Blut zirkuliert und die Schranke überwinden möchte, wird erkannt und zurück ins Blut transportiert, so kann er nicht in das Nervengewebe eindringen. Da er bei betroffenen Hunden nicht vorhanden ist können die Arzneimittel die Blut-Hirn-Schranke ungehindert passieren, eine bis zu hundertfach höhere Konzentration als normal erreichen und somit große gesundheitliche, primär neurotoxische Schäden verursachen bis hin zum Tod des Hundes. Daher achtet ganz besonders auf den MDR1-Test der Elterntiere. Dieser sollte MDR1 +/+ und mindestens MDR1 +/- oder -/+ ausafllen.

  • HD - Hüftgelenksdysplasie

Die Hüftgelenksdysplasie ist eine Fehlentwicklung des Hüftgelenks. Betroffen ist nahezu jede Hunderasse, wobei großwüchsige Rassen das Krankheitsbild besonders

häufig ausbilden. Die Ausprägung klinischer Symptome einer Hüftgelenksdysplasie variiert in Abhängigkeit vom Alter bzw. Stadium der Krankheit. Bei relativ jungen Tieren, im Alter von einem halben bis einem Jahr, kommt es zu Schmerzen, weil der Kopf des Oberschenkelknochens in der Hüftgelenkspfanne nur ungenügenden Halt findet und durch seine abnorme Beweglichkeit schmerzregistrierende Nervenfasern der Knochenhaut des Pfannenrandes gereizt werden. Ältere Tiere bilden Schmerzen eher infolge fortschreitender degenerativer Veränderungen des Hüftgelenkes aus wie z.B. Arthrose. Achtet bei einer Hüftgelenksdysplasie besonders auf das Gangbild Ihres

Hundes. Wackelt er extrem mit seinem Hinterteil, nimmt er eine Schonhaltung ein und/oder kann bei Spaziergänge nicht mithalten spricht dies für ein Problem an

der Hüfte. Die Hüftgelenksdysplasie ist nicht Heilbar! Bei jungen Hunden kann durch eine Operation Linderung geschafft werden. Bei älteren Hunden ist der Muskelaufbau ein wichtiger Aspekt und kann mit Physiotherapie und/oder Akupunktur Linderung der Schmerzen verschaffen.

 

Interpretation zum HD-Grad nach FCI-Standart:

HD-Grad

A

B

C

D

E

Interpretation

keine Hinweise für HD

Grenzfall, Übergangsform

leichte HD

mittlere HD

schwere HD

Empfehlung in der Zucht

zuchttauglich

zuchttauglich

nicht zur Zucht empfohlen

Zuchtsperre

Zuchtsperre


  • ED - Ellenbogendysplasie

Die ersten Symptome einer Ellenbogendysplasie sind ein steifer Gang oder Lahmheit der Vordergliedmaßen, die nach längerer Ruhe oder starker Belastung am deutlichsten sind. Sie treten erstmals im Alter von vier bis acht Monaten auf. Ist eine Ellenbogendysplasie diagnostiziert, kann nur ein chirurgischer Eingriff die schlimmste Folge der Ellenbogendysplasie verhindern. Dauerschmerzen mit chronischer Lahmheit durch Entzündungen und fortschreitende Arthrosebildung ist die Folge.

Durch gezielte Physiotherapie kann man seinem Hund Linderung verschaffen.

  • PHA - Pelger Hüet Anomalie

Die Pelger Hüet Anomalie verursacht Veränderungen in den Blutzellen die Granulozyten genannt werden. Diese kann mit Infektionen oder Frühstadien von

Leukämie verwechselt werden. Seinen Hund auf Pelger Hüet Anomalie zu testen ist dann empfehlenswert, wenn für offensichtliche Infektionen keine Ursachen

gefunden werden können oder wenn die Möglichkeit für Leukämie besteht. Die Krankheit wird unvollständig Dominant vererbt. Hunde die nur ein Gen tragen sind fast immer gesund. Wenn sie aber mit einem Partner verpaart werden, der ebenfalls die Mutation trägt, dann werden die Welpen aus dieser Anpaarung resorbiert, totgeboren oder sie sterben kurz nach der Geburt. Gelegentlich wird ein Welpe überleben, wird aber dann schwere Skelettdeformationen haben und anfällig sein für Infektionen.

  • DM - Degenerative Myelopathie

Die Degenerative Myelopathie der Hunde fasst man eine Reihe langsam verlaufender neurologischer Erkrankungen zusammen, die mit einer Zerstörung des Rückenmarks einhergehen. Diese Erkrankungen gehen mit langsam fortschreitenden Bewegungsstörungen der Hinterhand einher und sind nicht schmerzhaft. Eine Behandlung ist wenig erfolgversprechend.

  • EPILEPSIE

Die Epilepsie ist eine chronische Erkrankung des Gehirns, die durch wiederholtes Auftreten von epileptischen Anfällen gekennzeichnet sind. Die Epilepsie gehört

mittlerweile zu den häufigsten Erkrankungen des Nervensystems und die Anzahl der erkrankten Hunde nimmt stetig zu. Epileptische Anfälle beruhen auf plötzlich auftretende, kurz andauernde und rasch verschwindene Funktionsstörungen des Gehirns, die durch exzessive elektrische Entladungen verursacht werden und meist einige Sekunden bis wenige Minuten andauern. Die plötzlichen Entladungen können in umschriebenen Nervenzellverbänden des Gehirns oder gleichzeitig in beiden Großhirnhälften auftreten. Je nach Ausdehnung und Lokalisation dieser Entladungen kann es zu ausgeprägten Störungen des Bewusstseins kommen. Die Motorik, die sinnlichen Wahrnehmungen, die vegetativen Funktionen und/oder das psychische Verhalten ist manchmal mehr und manchmal weniger davon betroffen. Sie können

ein vielfältiges Erscheinungsbild zeigen. Die Krankheit tritt oftmals zwischen dem sechsten Lebensmonat und 4 Jahren auf. >> Mehr dazu können Sie HIER nachlesen.

  • CEA - Collie Eye Anomalie

Die Collie Eye Anomalie beruht auf einer genetisch bedingten Fehlbildung und Hypoplasie der Aderhaut und Netzhaut der Embryonalentwicklung. Dadurch kommt es zu Störungen in der Entwicklung der Blutgefäße, die zu Blutungen ins Auge führen können. Ebenso können Kolobome der Ader- und Netzhaut auftreten. Auch eine Netzhautablösung ist möglich. Je nach Schweregrad der Veränderungen kann die Sehkraft nicht beeinträchtigt sein, schwerere Fälle können aber eine verminderte Sehkraft bis hin zu völliger Erblindung zeigen.

  • HSF4 - Grauer Star

HSF4 ist die Abkürzung für Heat Shock Factor Protein 4. Eine Mutation dieses Proteins ist eine mögliche Ursache für den Hereditären Katarakt, eine erbliche Augen-erkrankung. Man bezeichnet den Katarkt auch als „grauen Star“. Die bei fehlender Behandlung damit einhergehende Linsentrübung beider Augen ist die häufigste Ursache für eine Erblindung des Hundes. Wenn ein Hund an HC erkrankt ist, zeigen sich die ersten Symptome bereits in jungen Jahren. Die einzige Behandlung besteht in einem chirurgischen Eingriff: Es werden die eigenen/natürlichen Linsen entfernt und durch künstliche ersetzt.

  • PRA - Progressive Retina Atrophie

Unter der Progressiven Retina Atrophie wird eine Gruppe von Erkrankungen der Augen zusammengefasst, die durch fortschreitende, degenerative oder dysplastische Ver-änderungen in der Netzhaut hervorgerufen werden. Die Retina bildet die innerste Schicht des Augenhintergrundes und enthält die für den Sehprozess wichtigen Zellen, die Stäbchen und Zapfen. Die Stäbchen sind dabei für das Hell-Dunkel-Sehen, somit für das Sehen in der Dämmerung und in der Nacht zuständig und die Zapfen für das Tag- und damit Farbensehen. Das klinische Erscheinungsbild ist bei den späten Formen ähnlich, aber das Mani-festationsalter und der Verlauf variieren sowohl zwischen, als auch innerhalb der Rassen. Auch können unterschiedliche Mutationen für die Erkrankung ver-antwortlich sein. Es ist möglich, dass eine Mutation bei mehreren Rassen die PRA verursacht, aber auch dass innerhalb einer Rasse verschiedene Mutationen auftreten die zu PRA führen. Die ersten Symptome der Erkrankung treten in der Regel zwischen dem ersten und sechsten Lebensjahr auf und sind davon abhängig, welche Art von Photorezeptoren zuerst degeneriert. Meistens werden zuerst die Stäbchenzellen der Netzhaut zerstört, dies führt zu zunehmender Nachtblindheit. Im weiteren Verlauf wird auch die jeweils andere Photorezeptorart zerstört und der Hund erblindet vollständig. Zusätzlich kann sich eine Linsentrübung entwickeln. Weitere Anzeichen für eine Progressive Retina Atrophie sind weite Pupillen, die schlecht oder gar nicht auf Licht reagieren und ein verstärkt reflektierendes Tapetum lucidum. Ophthalmologisch fallen außerdem ein atrophisches retinales Gefäßnetz und pigmentale Ver-änderungen im Bereich des Augenhintergrundes auf.

  • IRISKOLOBOM - Spaltung der Iris

Kolobom kommt aus dem griechischen und bedeutet Verstümmelung. Der Begriff Kolobom wird oft in der Augenheilkunde verwendet und bezeichnet eine angeborene, zum Teil vererbt oder erworbene Spaltbildung im Auge. Es gibt Kolobome in der Iris, Linse, Augenlied, Netzhaut und Adernhaut. Ein Iris Kolobom kann man dadurch erkennen, dass die Pupille nicht rund ist, sondern es aussieht als würde sie an einer Stelle auslaufen. Die Pupille ist unvollständig und es sieht aus als hätte sie ein Loch.